Meine Erklaeltung hat sich zwar mit Hilfe von Vicks Vaporup, Wick Daymed und kiloweise Taschentuechern ein wenig eindaemmen lassen, allerdings habe ich Robert wohl erfolgreich angesteckt. Mal sehen, wie weit unsere Tempos reichen, denn Papiertaschentuecher sind hier tatsaechlich weitestgehend unbekannt.
Auch heute hatten wir wieder eine Strecke von ca. 250 km zu bewaeltigen, was erschreckend zeitraubend ist. Das liegt hier in Rajastan allerdings weniger an den Strassenverhaeltnissen als vielmehr an dem Viehzeug, das hier in aller Ruhe auf der Strasse spazieren geht, als wuesste es, dass ihnen kein Haar gekruemmt wird. Ziegenherden, Schafe, Hunde und natuerlich die allgegenwaertigen heiligen Kuehe zwingen die Autofahrer alle paar Kilometer zu einem rasanten Stopp.
Besonders trickreich sind hier wirklich die Kuehe – sie stehen gelangweilt am Strassenrand und bewegen sich keinen Millimeter, so lange man mehr als 150 m entfernt ist. Erst dann, wenn der Bremsweg kritisch wird, setzen sie sich in Bewegung und bleiben mitten auf der Strasse wieder stehen.
Die Landschaft in Rajastan ist ziemlich langweilig, da ziemlich tocken und oed. Jaisalmer liegt mitten in der Wueste Thar, ca 100 km von der Pakistanischen Grenze entfernt. Aufgrund dieser fuer Indien geringen Entfernung ist Jaisalmer inzwischen ein wichtiger Militaerstuetzpunkt geworden, die ehemalige Funktion als Handelsstadt hat Jaisalmer verloren. Die Wueste bietet aber einige Attraktionen fuer Touristen, wie z.B. Kamelreiten, Jeepsafaris und Uebernachtungen in der Wueste. Unsere Tour umfasste eine knapp zweistuendige Kamelsafari auf eine hoehere Duene puenktlich zum Sonnenuntergang sowie eine Uebernachtung in der Wueste.
Robert hatte eine ziemlich zickige Kameldame erwischt, waehrend ich das Gefuehl hatte, den Koenig aller Kamele hoechstpersoenlich zu reiten, so stolz und praechtig kam mir der Hengst vor. Die Gangart ist zwar wackeliger als bei Pferden, aber wir haben uns schnell daran gewoehnt. Die Duenenlandschaft war herrlich! Der Sonnenuntergang war leider nicht ganz so toll: zum einen war die Sonne hinter einem Dunstschleier am Horizont nicht bis zum Ende zu sehen, zum anderen bekamen wir gleich das Sprichwort „Die Wueste lebt“ am eigenen Leib zu spueren: Aus jeder Ecke der Wueste kamen andere Touristengruppen auf „unsere“ Duene, dicht gefolgt von Bettlern und Getraenkeverkaeufern, die einen partout nicht in Ruhe lassen wollten.4 Kamele auf einem Bild…
Nach dem Sonnenuntergang ging es zunaechst zurueck in das Resort zum Abendessen. Die Zeit bis dahin wurde mit Musik- und Tanzeinlagen von Einheimischen vertrieben, mit denen das ueberall uebliche Trinkgeldgeben einherging: fuer die Musikgruppe an sich, fuer den Solosaenger, fuer die Solotaenzerin, fuer das kleine Maedchen, fuer die Koechin, fuer den Kellner… Man hat leider auch den Kuenstlern angemerkt, dass es fuer sie nur um das Geschaeft ging und nicht um die Leidenschaft, daher blieb die Stimmung auch bei allen anderen Gaesten leider angespannt.
Nach dem Abendessen hiess es dann fuer Robert und mich wieder rauf auf“s Kamel und ab in die Wueste, zum Schlafen unter dem Sternenhimmel. Gedanken an wilde Viecher wurden kurzerhand beiseite geschoben, immerhin schlafen die Menschen hier schon ewig unter freiem Himmel und werden auch nicht alle gefressen. Das Lager fuer uns bestand aus einer dicken Decke auf dem Sand, zwei Kopfkissen und je einer dicken Decke zum Zudecken. Unsere beiden Guides haben es sich zwischen den Kameldecken bequem gemacht und froehlich vor sich hin geschnarcht. In der Nacht war von „die Wueste lebt“ nix zu spueren, wahrscheinlich war alles Getier gefluechtet. Es war also ruhig, und es wurde kalt. Nicht besonders gut fuer meine Erkaeltung, aber trotzdem eine schoene Erfahrung, nicht zuletzt wegen einem wunderschoenen Sternenhimmel. Leider war auch der Sonnenaufgang von einem Dunstschleier verhangen, aber es war trotzdem toll zu erleben, wie es ploetzlich hell und heller wurde und die Wueste anfing, zu leben.

