Um 9:30 wurden wir von unserem persoenlichen Guide abgeholt, fuer den wir mit jeder Stunde dankbarer sind. Nicht nur, dass er uns bessere Preise aushandelt, als wir allein erzielen koennten, er ist auch eine Art Bodyguard fuer uns, hat zig Geheimtipps auf Lager und beantwortet geduldig alle unsere Fragen – auf Deutsch. Kulwant hat vor etlichen Jahren fuer 7 Jahre in Deutschland gearbeitet und ist uns eine unbezahlbare Hilfe.
Unser heutiger Trip begann mit einem Besuch bei Kulwants Familie, wo er uns Frau, Tochter und Sohn vorstellte. Fuer indische Verhaeltnisse leben sie ziemlich gut, obere Mittelschicht. Der Sohn studiert, und auch die Tochter macht eine gute Ausbildung und soll mehr werden als nur Hausfrau – wenn sie es so wuenscht. Trotzdem war das Viertel fuer deutsche Augen trostlos. Die Strassen mit Schutt uebersaet, alles grau in grau, alle Menschen laufen durch Dreck und Staub…
Kulwants Frau hat extra fuer uns Fladenbrote mit einer Art Mozzarella und verschiedenen Kraeutern gebacken, die sehr einfach waren, aber extrem gut geschmeckt haben. Auch dem indischen Tee mit Milch und Zucker bin ich inzwischen restlos verfallen.
Gegen 12.00 sind wir dann endlich aufgebrochen und haben uns auf einen 250km langen „Ritt“ begeben. Fast eine Stunde hat es gedauert, bis wir aus Delhi rauskamen und statt Smogschleiern die wahre Sonne sehen konnten. Die Umgebung wurde gruener, die Haeuser noch kleiner und aermlicher, und die Strasse irgendwann katastrophal. Wir haben fuer die 250 km etwa 8 Stunden gebraucht, allerdings haben wir zwischendurch auch einen etwas laengeren Stopp eingelegt. Eigentlich wollten wir nur ein Glas Zitronensaft am Strassenrand trinken (eigentlich ein absolutes No-Go fuer alle Nicht-Inder, man denke an die Magenprobleme). Kaum ausgestiegen kamen ploetzlich von ueberall Menschen an, u.a. ein orangegekleideter Guru, der uns mit sich winkte und in seinen Tempel mitnahm. Dort sass er mit anderen Glaeubigen und Feldarbeitern zusammen und hat musiziert. Robert und ich waren herzlich eingeladen, mitzumachen, was ich dann aber doch Robert ueberlassen habe und mich stattdessen um die fotografische Dokumentation gekuemmert habe. Ein unvergessliches Erlebnis! Ich habe dann kurz vor unserem Aufbruch noch dem Affengott gehuldigt, also den kleinen Tempel barfuss betreten, mich verbeugt und der Statue ein Opfer von ca. 50 Rupien dargebracht (wenige Cent). Der Guru hat daraufhin erst mich und dann Robert gesegnet und uns einen roten Strich auf die Stirn gemalt. Anschliessend hat er feierlich erklaert, dass wir nun Mann und Frau seien… Mein entsetzter Blick muss gut gewesen sein! Kulwant hat uns aber gleich darauf erklaert, dass das nur ein Scherz war.
Etwas spaeter haben wir noch in einem Strassenrestaurant angehalten und dort verschiedene indische Gerichte probiert – auch ein No-Go fuer magenempfindliche Touristen, aber es geht uns immer noch super!
Im Dunkeln kamen wir schliesslich in einem grandiosen Hotel wie aus 1001er Nacht an, wo Robert und ich es uns nach Einzug und Dusche mit dem indischen Bier „Kingfisher“ auf einer Hollywoodschaukel bequem gemacht haben, um den Abend in Ruhe ausklingen zu lassen und die Erlebnisse Revue passieren zu lassen.

