Am 4.10. haben wir also mit Kulwant eine Stadtfuehrung durch Delhi gemacht. Zunaechst haben wir uns das Red Fort angesehen, ein wunderschoenes altes Gebaeude wie aus 1001er Nacht, leider aber schon stark zerfallen. Auch die eigentlich prunkvollen Gartenanlagen sahen leider nicht so besonders doll aus. Nun ja.
Nach dem ersten Eindruck indischer Baukultur ging es dann zunaechst durch ein unglaubliches Verkehrschaos Richtung Altstadt. Dort haben wir einen Sikh-Tempel besichtigt, in dem das Heilige Buch der Sikh liegt, das mit der Ur-Bibel oder dem Ur-Koran vergleichbar ist. Der Tempel ist allerdings deutlich plueschiger als alles, was man aus Deutschland kennt. Rosa Kissen mit weissen Borten, bunte Lichterketten, ebenso bunte Waende… Zur Besichtigung bekamen wir ein orangefarbenes Kopftuch auf und mussten die Schuhe ausziehen und in einem kleinen Becken Haende und Fuesse waschen.
Zu unserem mehr oder weniger grossen Entsetzen gab es tatsaechlich einige Glaeubige, die aus diesem Becken auch getrunken haben! Nach Besichtigung des Tempels hat uns Kuwant weiter durch die Anlage gefuehrt, die u.a. auch eine oeffentliche Kueche umfasst. Hier koennen Glaeubige und Nichtglaeubige sich um 12.00 und um 17.00 im Schneidersitz und in langen Reihen Ruecken an Ruecken auf Teppiche setzen und erhalten ein kostenloses Mahl. Manche spenden dafuer Geld oder Lebensmittel, wer nichts hat ist aber auch willkommen. Wir haben uns dieser Meute angeschlossen und in einem Blechnapf einen Linseneintopf mit Fladenbrot und Suesskartoffelbrei bekommen, der sehr lecker war. Allerdings sollte man aufessen, um nicht das kostenlose Essen wegzuwerfen. Zum Essen gab es ausserdem Wasser aus Giesskannen. Da der Eintopf ordentlich gewuerzt war, kamen wir nicht drumherum, unsere Zungen mit dem Leitungswasser (!) zu kuehlen. Der Gedanke, dass wir gegen alles wichtige geimpft sind, war immerhin etwas beruhigend.
Anschliessend ging es in die Altstadt von Delhi. Ich werde hoffentlich irgendwann mal Fotos hochladen koennen – beschreiben kann man das Gewuehl dort eigentlich nicht. Ich versuche es trotzdem: enge Gassen und Laedchen, unvorstellbare Menschenmassen, dazwischen Rikschas und Mopeds, an jeder Ecke Imbisse, bei denen irgendetwas auf offenerer Flamme gekocht/gegrillt wurde… und das wichtigste: zwei hellhaeutige Menschen mit blauen Augen. Wir fielen nicht nur auf, wir wurden angegafft und sogar angetatscht! Purer Stress, aber irgendwie trotzdem ein lustiges Erlebnis.
Nachdem wir unser Taxi mit sehr vielen Lenkmanoevern endlich aus dem voellig ueberfuellten Parkhaus befreit hatten, ging es erst weiter zum Gandhi-Grabmal und dann zu einem Gandhi-Museum, das mit unglaublich modernem technischen Schnickschnack hergerichtet worden war und viele interaktive Angebote fuer Besucher bereithielt.
Unser letzter Stop an diesem Tag und fuer mich das Highlight war der Besuch des sog. Mini Taj Mahal, einer wunderschoenen Anlage. Wir waren hier uebrigens puenktlich zum Sonnenuntergang um etwa halb sieben.
Abendessen gab es im Hotelzimmer, da wir zu erledigt waren, noch auszugehen. Ich bin inzwischen begeisterte Indisch-Esserin und bislang ohne Magenprobleme!
Randnotiz: in einem exklusiven Laden das Moebelstueck meiner (Alb)Traeume entdeckt – eine komplett mit Silber beschlagene Sitzgarnitur im Wert von schlappen 32.000 Euro, Lieferung per Schiff ca. 3 Wochen, natuerlich nicht inklusive.



