Kurzfassung: Auf der Suche nach einem Zugticket, das uns von Goa nach Cochin bringen soll, haben wir uns den Hintern auf dem ollen Scooter regelrecht plattgesessen und mit Sicherheit 150 km abgerissen… Fotos existieren leider nicht, da wir irgendwann nur noch genervt waren, weil hier einfach nichts klappt, wie man es aus Deutschland kennt!
Lange Fassung: Am 20. und 21. haben wir mit Hilfe des Sohnes unserer Gastgeberin stundenlang erfolglos versucht, ueber das Internet unsere Tickets zu buchen. Leider hat sich die Seite immer im entscheidenden Moment aufgehaengt, so dass wir schliesslich einsehen mussten, dass wir leider doch direkt zum Bahnhof fahren muessen. Immerhin wussten wir aber schon Zugnummer und Einstiegs- bzw. Ausstiegsort, was hier essentiell ist, da man vor der Buchung einen Schein ausfuellen muss, der den Zugnamen, die Zugnummer, die Abfahrt- und Ankunftszeit sowie die gewuenschte Strecke und natuerlich Klasse enthalten muss. Das hatten wir uns alles notiert und haben uns dann am 21. erneut mit dem Scooter auf die Socken gemacht. Unser Ziel war Panaji, eine groessere Stadt, ca. 26 km von Anjuna entfernt. Wir sind also mit ca. 40 km/h auf unserem Scooter ueber den „Highway“ H17 gerast und haben bei strahlendem Sonnenschein die Strassen von Goa unsicher gemacht, immer darauf bedacht, Kuehen, Ziegen und anderem Getier (und Menschen) rechtzeitig auszuweichen und uns dabei nicht von irgendwelchen Jeeps oder Bussen ueberfahren zu lassen. Ich behaupte, wir sind inzwischen ein gut eingespieltes Team – Robert hat vorne geguckt und ich hinten, ob sich irgendwas naehert.
Uebrigens: Eine Helmpflicht gibt es hier scheinbar nur auf Hauptstrassen, und da auch nur fuer die Fahrer, nicht aber fuer die Mitfahrer. Unser erstes Erlebnis in dieser Hinsicht hatten wir bereits am 20., als wir von der Polizei angehalten wurden, uns aber fuer rund 7,- Euro freikaufen konnten und auch ohne Probleme weiterfahren durften. Unser zweites Erlebnis hinsichtlich Helmpflicht hatten wir dann am 21.10. auf der gleichen Strasse, nur ca. 5 km frueher. Diesmal hat Robert den Polizisten auch nicht beinahe ueber den Haufen gefahren, der todesmutig vor uns auf die Strasse gesprungen ist, um uns zu stoppen, sondern wir haben rechtzeitig und brav an der Seite angehalten. Ich sollte diesmal am Scooter warten (und hatte schon Angst, dass es ohne Frauen-Bonus teurer wird), waehrend Robert wieder Fuehrerschein und Geldboerse zuecken musste. Hier hat sich Robert als echter Feilscher entpuppt: Eigentlich sollte er ca. 7,- Euro Strafe zahlen und fuer ca. 4,- einen Helm kaufen. Er hat es irgendwie hinbekommen, mit den Polizisten zu verhandeln und letzlich nur den Helm zu kaufen, um weiteren kostspieligen Kontrollen zu entgehen. Der Helm war und ist ein absoluter Witz: ein blauer Plastik-Bauarbeiterhelm. Wir haben an diesem Tag jedenfalls erheblich zur Erheiterung jedes vorbeifahrenden Autos beigetragen und Kinder wie alte Greise zum Lachen gebracht (ich selbst habe beinahe geheult vor Lachen)!
Unsere Ticketkaufversuche in Panjani blieben leider fruchtlos. Nachdem wir uns in den Wirren der Stadt zunaechst ein wenig verfranst hatten, haben wir endlich den Busbahnhof aufgetrieben, an dem man auch Zugtickets kaufen kann. Nach einer Wartezeit von nur knapp einer Stunde wurde uns dann lediglich mitgeteilt, dass wir das Ticket da nicht buchen koennten und dafuer nach Madgaon fahren muessten, der Hauptstadt von Goa und gerade mal laecherliche 30 km entfernt… Also wieder rauf auf den Scooter und auf den Highway.
Je naeher wir nach Madgaon kamen, desto schlechter wurde die Luft. Abgase, Staub und Asche von den ueberall brennenden Reisfeldern haben unsere Lungen gestern regelrecht verseucht. Immerhin hatten wir in Madgaon endlich Erfolg und konnten am Bahnhof unser Ticket kaufen - allerdings nur eine Reservierung fuer die Warteliste (immerhin Platz 2 und 3), da der Zug ausgebucht ist. Im November wuerde es dann wieder etwas besser aussehen! Wir haben beschlossen, das Risiko einzugehen, denn immerhin muessen wir ja irgendwann in den Sueden, um von dort nach Bangkok zu kommen. Davon waren unsere Nerven schon ziemlich angekratzt, und zu allem Ueberfluss fing es dann auch noch an, wie aus Kuebeln zu schuetten. Wir haben uns eine kurze Auszeit mit Internet und kalten Getraenken am Bahnhof gegoennt, uns dann aber doch im stroemenden Regen auf den Rueckweg gemacht, weil wir nicht laenger als noetig im Dunkeln fahren wollten. Kurz nach Madgaon liess der Regen dann auch endlich wieder nach, aber ganz getrocknet sind wir durch den Fahrtwind leider nicht, dazu waren wir dann doch zu durchweicht. Immerhin war es warm… und wir haben uns gefreut, dass der ganze Dreck aus der Luft gewaschen war und man wieder etwas freier Atmen konnte.
Die Dusche am Abend war ein besonderes Erlebnis, da man den Weg des Strassenstaubs bis in den Abfluss optisch sehr gut verfolgen konnte, ebenso wie man vorher genau erkennen konnte, welche Koerperteile durch T-Shirt/Hose/Sonnenbrille bedeckt waren. Wir sahen aus wie frisch aus einer Kohlemine.
Heute kam dann der Kracher. Auf der Suche nach einer Bank in Anjuna sind wir rein zufaellig auf ein Reisebuero gestossen, dass doch tatsaechlich auch Tickets fuer die dusselige Bahn buchen kann! Wir werden unserer Gastfamilie waermstens empfehlen, ihre Gaeste dorthin zu schicken und nicht knapp 60km bis nach Madgaon, wenn mal wieder ein Ticket gebucht werden muss… Immerhin haben wir heute auch rausgefunden, dass zumindest ich schon einen Platz im Zug habe, waehrend Robert noch auf der Warteliste steht. Wir haben beschlossen, gemeinsam in den Zug einzusteigen und uns notfalls ueber die naechsten 18 Stunden abzuwechseln, komme, was da wolle. Es wird jedenfalls niemand von uns zurueckbleiben! Aber vielleicht haben wir ja auch Glueck und alles wird gut und auch Robert bekommt noch eine Nische…
Wir sind gespannt!
Ja, in 5 Stunden geht also unser naechster Nighttrain nach Cochin, wo wir dann die restliche Zeit in Indien verbringen werden. Dort wollen wir die Backwaters erkunden, evt. noch das eine oder andere Naturreservat erkunden, und uns schliesslich am 29. oder 30. nach Bangalore bewegen, von wo wir am 31. nach Bangkok fliegen werden. Uebrigens mit Air India, einer Gesellschaft, die auch in Deutschland landen darf und daher hoffentlich sicher ist.
