Eigentlich sollte unser Zug erst abends um sechs starten, aber ploetzlich wurde es hektisch – das Reisebuero hatte naemlich Karten herumgebracht, die fuer den Zug um 12:30 waren. Da blieb dann keine Zeit mehr, sich Agra noch genauer anzusehen. Wir fanden es nicht weiter bedauernswert, da die Stadt ebenso haesslig und dreckig war wie Jaipur.
Die Zugfahr war ein Erlebnis! Ich wuerde es jederzeit wieder machen – Robert lieber nicht. Wir hatten Plaetze in der 2. Klasse Sleeper mit Air Condition. Man stelle sich einen Grossraumwagen vor. Auf der linken Seite wie in unseren alten Abteilen 3 Sitze nebeneinander, je 2 Reihen gegenueber. Ueber den Sitzreihen waren nochmal zwei Liegen an die Wand geklappt, die man herunterklappen konnte, um darauf dann in 3 Etagen uebereinander zu schlafen. Es gibt aber keine Vorhaenge oder gar Waende zum Gang, sondern alles ist offen. Auf der anderen Seite vom Gang sind dann nochmals zwei Schlafkojen. Wir hatten eine Koje am Gang und eine ganz oben. Robert hat sich erbarmt und oben direkt unter der Klimaanlage geschlafen, waehrend ich es mir unten mit beiden grossen Rucksaecken irgendwie halbwegs bequem gemacht habe.
Die Landschaft war absolut sehenswert, sofern es hell war. Tolle Landschaften, Sonnenuntergang in den Bergen, viel Gruen. Man konnte den Wechsel von wuestig und langweilig zu dschungelig und gruen und interessant bestens beobachten. Die Bahnstrecke ab Bombay bis Goa wurde uebrigens erst kurz vor der Jahrtausendwende fertiggestellt und besteht aus unzaehligen Tunneln und Bruecken, da die Gegend recht bergig ist. Manchmal waere es mir aber lieber gewesen, ich haette von den Bruecken nichts mitbekommen, da sie reichlich hoch und seeehr schmal waren. Es ging eigentlich auch immer nur im Schritttempo rueber. Vielleicht halten die Dinger hoehere Geschwindigkeiten nicht aus? Nein, lieber nicht darueber nachdenken…
Alles in allem war es trotz Liegewagen sehr anstrengend, da zumindest ich eigentlich immer nur gedoest habe, um das Gepaeck im Auge zu behalten. Wir hatten unsere Rucksaecke mit einem Fahrradschloss aneinander gekettet und die kleinen Rucksaecke unter der Decke und die Beine drumgetuedelt, so dass da niemand so ohne weiteres rangekommen waere. Trotzdem hatte ich Bedenken, die Augen richtig zuzumachen.
Ziemlich unausgeschlafen haben wir dann auch den ersten Bahnhof verpasst, an dem wir am besten haetten aussteigen koennen. Dank der ploetzlichen Hilfe einiger Inder aus unserem „Abteil“ konnten wir aber noch kurz mit unserem Guest House telefonieren und uns beraten lassen, welcher Stopp der naechstbeste ist, um auf dem kuerzesten Weg dorthin zu kommen. Am Anfang sind viele Inder relativ verschlossen, aber sobald man mit ihnen ins Gespraech kommt, wollen sie alles wissen und erzaehlen auch gern von der eigenen Familie. Familie ist ueberhaupt das ein und alles jeden Inders, so hat man hier das Gefuehl.
Nun ja. Wir kamen mit knapp 4 Stunden Verspaetung gegen 22:00 Uhr an unserem Ausstiegsbahnhof an, waren dann noch einmal etwa 40 Minuten durch die dunkle Wildnis unterwegs und haben schliesslich unser Guest House gefunden. Wirklich allereinfachste Unterkunft – zwei nicht zueinander passende Betten (ich warte jede Nacht darauf, dass mein windschiefes Exemplar unter mir zusammenbricht!), immerhin ein Ventilator und ein Waschbecken. Das WC und die Dusche sind quasi 2 Haeuser weiter. Aber wir koennen gut damit leben, und vor allem schont es unsere Reisekasse. Wir zahlen hier fuer 4 Naechte knapp 12,55 Euro, und ich glaube, das ist sogar fuer zwei Personen. So!
Etwas laestig sind die Muecken. Irgendwie haben wir das Gefuehl, dass sie europaeisches Blut bevorzugen. Ich habe zwar mein klappbares Moskitonetz dabei, werde es aber lieber heute als morgen entsorgen, weil es leider nichts taugt. Ich muesste meine Arme quasi ueber mein Gesicht legen, damit keine Muecke die Moeglichkeit findet, mich durch das Netz hindurch zu stechen. Wir wollen in den naechsten Tagen mal sehen, ob wir irgendwo handelsuebliche Moskitonetze auftreiben koennen.
Davon abgesehen freuen wir uns endlich auf Sommer, Sonne, Strand!
