Ich muss ehrlich zugeben, dass ich heute die Grenzen meiner Belastbarkeit ausgetestet habe. Die 18 km Trekking waren alles andere als ein Kinderspiel, jedenfalls fuer mich. Robert hat es etwas besser gepackt, aber das wundert mich grad nicht so sehr.
Es ging nicht nur querfeldein und im wahrsten Sinne ueber Stock und Stein und umgestuerzte Baeume, sondern auch noch ueber zwei ziemlich hohe Berge, was zwischenzeitlich schon richtig ins Kraxeln ausgeartet ist. Dazu kamen Hitze und zu wenig zu trinken und bei mir letztendlich auch noch Bauchschmerzen dank Montezuma, so dass ich echt fertig und dem Zusammenbruch nahe war.
Der Anfang war noch relativ sacht – es ging durch Steppe und duerre Gebiete, vorbei an einem See (mit Krokodilen) auf die ersten Huegel, wo wir einen Leopardenabdruck entdeckt haben.
Die Aussicht auf die Ebene unter uns war grandios, und bis dahin war ich auch bestens dabei. Dann wurde es allerdings deutlich steiler und vielleicht auch die Luft etwas duenner. Von unten dachte ich, die Berge sind keine 400 m hoch, von oben war ich der Meinung, ich haette einen 5000er bestiegen.
Als wir den ersten Gipfel erreicht hatten, dachte ich, alles wird gut, jetzt muessen wir nur noch zum Tempel. Dumm nur, dass der auf dem naechsten Berggipfel lag und wir erst ein Tal durchqueren mussten. Also runter (ging viiiiiel besser), drueben wieder hoch (allerdings irgendwann auf einer Art Betonweg). Dass Tempel immer an den entlegendsten Orten liegen muessen!!! Wirklich ganz, ganz oben, nach tausenden Stufen, und dann auch noch in einer winzig kleinen Hoehle! Wie die Leute da alles hochbekommen ist mir ein Raetsel, aber vielleicht haben die ja einen Hubschrauber in der Hinterhand…

Der eigentliche Tempel ist rechts oben ueber dem Gebaeude in einer Felsspalte, fuer Bergziegen bestens geeignet
Vom Tempel aus ging es leider immer noch nicht wieder richtig voran, denn wir mussten noch ueber den Berg rueber, um auf die Strasse zu kommen, die uns zum Hotel fuehrte. Bis nach oben waren es wieder mal Stufen, Stufen, Stufen, und ich stand abermals kurz vor dem Zusammenbruch. Ganz ehrlich, so alt kam ich mir noch nie vor! Ich weiss zwar, dass ich nicht die allerfitteste bin, aber zumindest fuer normal belastbar habe ich mich schon gehalten!
Nach langer, langer Zeit kamen wir endlich oben an, vorbei an Affen, die sich an den Wasserhaehnen selbst bedienen, vorbei an einem sehr merkwuerdigen weiteren kleinen Altar oder Tempel, und vorbei an lauter Leuten, die uns nur angestarrt haben. Europaeer scheint es dort nicht so oft zu geben. Als wir den Berg hinter uns hatten waren wir fuer einen Moment erleichtert, allerdings nur so lange, bis unser Guide uns mitteilte, dass wir jetzt noch etwa 2 Stunden auf der Strasse vor uns haetten, bis wir zum Hotel kommen wuerden…
Insgesamt waren wir ca. 6,5 Stunden unterwegs, und wie sich im Nachhinein herausstellte, waren wir eine Art Versuchskarnickel, ob die Tour fuer Touristen empfehlenswert ist… Versuchskarnickel Nr. 1 ist leider klaeglich gescheitert und musste von Versuchskarnickel 2 mitgeschleift und betuedelt werden. Auf keinen Fall fuer untrainierte Wanderer geeignet!
Unser Hotel lag in der Naehe des Chittorgargh Forts, einer der ruhmreichsten Palaeste Indiens. Das Fort wird nachts fuer eine halbe Stunde komplett angestrahlt und bietet einen fantastischen Anblick, den ich allerdings Robert und Kulwant ueberlassen habe, waehrend ich versucht habe, das WC und die Wirkungsweise von Immodium besser kennenzulernen. Ein kurzer Sprung in den Pool hat mich allerdings deutlich belebt, auch wenn ich zwischendurch dachte, dass ich mich nie wieder frisch fuehlen koennte.

Auch wenn er es nicht zugeben wollte - ich glaube, auch Robert war froh, endlich die Fuesse hochlegen zu koennen
Morgen und uebermorgen soll es recht entspannt zugehen – aber ich warte das mal lieber ab.




… ich sach ma:… Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt …
Demnach bist du hoffentlich bald groß und vor allem stark:
Liebe Grüße aus Velgen (Heike, Papi und Basti)
Von: basti am 16. Oktober 2008
um 2:24