Viechereien

TIERE = FAMILIE

Als frische Landeier mussten meine Eltern natürlich alles ausprobieren, was man in und mit einem so großen Garten alles anstellen kann. Also kam ein großer Gemüsegarten dazu und es wurde im Laufe der Jahre allerlei Viehzeug mit den spannendesten Geschichten angeschafft, welches liebevoll in die Familie integriert wurde:

  • Sally, unser erster Hund, eine gaaaanz tolle Collie-Schäferhund-Mischung und der liebste Hund der Welt! Wahnsinnig gutmütig und immer ein wenig besorgt um ihre kleinen Schäflein, besonders zu merken bei einem Urlaub in Dänemark, wo wir in der Brandung tobten und Sally uns besorgt hinterher bellte, sich selbst aber nicht ins Wasser traute. Eine Seele von Hund.
  • Diverse Katzen namens Felix, Mulle, Don Camillo, Micky & Pünktchen, Flecki, Bunti, Charly & Sammy, Putzi … manche schafften es trotz Durchgangsverkehr, ein paar Jahre durchzuhalten.
  • Unzählige Karnickel, die eigentlich alle irgendwann den Weg jedes Karnickels auf dem Land gingen – durch die Kühltruhe zum Ofen. Die erste Generation hatte noch Namen, diese Tradition wurde jedoch irgendwann aufgrund von mangelnder Fantasie wieder eingestellt.
  • Meerschweinchen in jeglicher Farbe und Fellvariation: mein erstes, Tipsi, wurde leider schon nach wenigen Tagen von irgendetwas Bösartigem im Garten gefressen. Das zweite, Stupsi, lebte deutlich länger, war äußerst zahm und mein absoluter Liebling. Er wurde dann zum Stammhalter meiner Zucht ernannt und brachte mit Line (echte Berlinerin) mehrere Generationen von kleinen Meerschweinchen auf die Welt – Tapsi und Faline waren die ersten. Später folgten dann die Edelmeerschweinchen mit Rosetten und Angorafell und hatten so einfallsreiche Namen wie Cäsar (benannt nach Mamis bissigem Hamster), Whity und Wolke.
  • Hühner ohne Namen, dafür noch ein paar Hähne wie Caruso und Domingo, wobei sich einer davon irgendwann als gemeingefährlich entpuppte, alles angriff, was seinen Hühnern zu nahe kam, und schließlich kopflos in der Tonne endete.
  • Gänse – derer gleich zwei. Sehr eigenwillige Viecher namens Erna und Willi, die es liebten, uns (bevorzugt Conni als die kleinste) zu jagen und zu kneifen. Äußert talentiert darin, sich mit dem Hals immer wieder im Elektro-Zaun zu verheddern und in ohrenbetäubendes Geschrei auszubrechen.
  • Enten. Meine Schwester hatte irgendwo ein Wildentenei aufgetrieben und das gute Stück mit einer Brutmaschine ausbrüten lassen (was Nachbarn so alles haben…). Heraus kam Ducki, eine handzahme süße kleine Ente, die Conni auf Schritt und Tritt folgte. Sogar die ersten Schwimmversuche in unserem Teich wurden gemeinsam unternommen.
  • Schafe. Können unterteilt werden in: Buddellämmer und Milchschafe. Erstere waren eine echte Herausforderung für meine Eltern. Sie waren zum örtlichen Schäfer gefahren, weil sie dem heimatlichen Garten ein paar niedliche Lämmchen zuführen wollten (und später der Kühltruhe bzw. dem Backofen). Unter den Namen Buddellämmer konnten sich meine Eltern nix vorstellen und nahmen erstmal fünf davon mit. Wie sich dann herausstellte, bedeutete Buddellämmer nix anderes, als dass die Kleinen alle paar Stunden an die Buddel - also Flasche – mussten… eine schöne Abwechslung für Eltern, deren Kinder gerade aus dem Windel- und Flaschenalter heraus waren. Die zweite Generation Schafe kam geschätzte 1-2 Jahre später und bestand aus zwei zickigen Milchschafen, die wir uns für eine Weile ausgeliehen hatten, um die gesunde Schafmilch zu genießen. Hierfür wurde eigens ein Melkstand gezimmert, um die wilden Viecher in Schach zu halten, und die ganze Familie konnte sich reihum im Schafe melken versuchen. Mein Opa und ich standen der Schafsmilch sehr skeptisch gegenüber und hielten uns lieber an die gute alte Kuhmilch. Freundlicherweise haben meine Eltern dann irgendwann den Inhalt aus dem Tetrapak gegen frisch gemolkene Milch vom Wolltier ausgetauscht, die Kuhmilch in einer Kanne auf den Tisch gestellt und so meinen Opa und mich hereingelegt – denn natürlich griffen wir zum Tetrapak! Einen Unterschied haben wir übrigens nicht bemerkt…
  • Mit zunehmendem Alter von uns Kindern wurden die Tiere im Garten größer – Pferde! Von klein bis groß, von brav bis nervig, von weiß bis schwarz war alles dabei. Angefangen mit Pascha, dann Jockel und Caroline (die dann ein Fohlen namens Nina bekam und in eine Herde gegeben wurde) über Zögi, Stina (Norweger), Blacky (keine Ahnung, groß und schwarz), Hanni (Haflinger und ebenfalls mit Fohlen unterwegs = Nando) bis hin zu Stina (reinrassige, superhübsche und superzickige Haflingerstute) und später unseren Hausrasenmähern Nelly, Zorro und Rico (Zwergshetties). Es war eine tolle Zeit, aber mit 16 hatte ich dann doch die Nase voll von zickigen Pferden und habe mir statt dessen lieber ein Motorrad gekauft. Das konnte man wenigstens in die Ecke stellen und hinterließ keine Äppel, sondern höchstens Ölflecken und graue Haare am Haupte meiner Eltern.
  • Nele. Nachdem die Pferde irgendwann verschwunden waren hieß es im Hause Hartung „nur noch pflegeleichte Tiere“, und wir besannen uns wieder auf den Hund (und einen Kater). Im betagten Alter bekam Sally eine Gefährtin namens Silver Moonlight’s Pam (alias Nele), ihres Zeichens reinrassiger Golden Retriever mit Stammbaum. Dieser Abkömmling der ach so kinderlieben und familientauglichen Rasse entpuppte sich als Einzelbrödler und der sturste Hund, der unserem Hundetrainer je untergekommen war. Irgendwann haben wir akzeptiert, dass Nele eben Nele ist und bevorzugt ihren eigenen Kopf durchsetzt. Zum Glück geht auch bei ihr Liebe durch den Magen, und wenn irgendwo eine Tüte verdächtig knistert, ist sie die erste, die mit Bettelblick vor einem sitzt. Sally starb dann, als Nele etwa 1,5 Jahre alt war.
  • Lucy. Eine Hamburger Kollegin hatte eine Freundin, die wiederum einen Hund hatte, mit dem sie nicht zurecht kam. Ein aggressiver Bodercollie-Mix im Alter von 5 Monaten, gehalten in einer 2-Zimmerwohnung und mit einem Auslauf von ca. 30 Minuten morgens und abends – an der Leine. Ich habe mir die Kleine angesehen, sie für nicht aggressiv sondern nur nicht ausgelastet gehalten, und kurzerhand mitgenommen. Eigentlich wollte ich sie den Nachbarn auf’s Auge drücken, die einen großen Hof und viele Kinder haben – aber dummerweise hatten sie knapp eine Woche vorher einen anderen Hund bekommen. Und wenn so ein Hund erst einmal da ist und einen mit seinen Hundeaugen anblickt… ich konnte mich von meiner Lucy nicht mehr trennen, und so blieb sie bei uns.
  • Bica und Paule. Zwei echte Portugiesen, die etwa ein halbes Jahr später zu uns stießen. Bevor ich Lucy anschleppte, hatten meine Eltern Bekannten in Portugal bereits zugesagt, einen Welpen abzunehmen. Mit dem Gedanken an drei Hunde konnten sie sich noch arrangieren. Aus einem süßen Welpen wurden dann zwei süße Welpen, man konnte die einzig Übriggebliebene ja schließlich nicht ins Heim geben oder gar töten. Und so haben wir jetzt ein Rudel Hunde zuhause, das liebevoll die Nachbarn in Kenntnis setzt, wenn sich irgendwer oder irgendwas unserem Grundstück auf weniger als 100 m nähert… was die Sache schwierig macht, weil wir auf einem Eckgrundstück wohnen…

 von links nach rechts: Bica, Lucy, Paule, Nele.

 

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