Tag 10 – Ausflüge

Die neu gewonnene Freiheit und Unabhängigkeit wollte dann auch gleich richtig ausgenutzt werden, also machten wir uns auf den Weg gen Süden. Unser erstes Ziel war das Dorf “La Couvertoirade”, etwa eine Stunde südlich von Millau.

Der Name des Ortes ist seit dem 11. Jahrhundert als Cubertoirata im Zuge einer Grenzziehung von Ländereien der ehemaligen Abtei von Gellone in Saint-Guilhem-le-Désert (Hérault) bekannt. Seit dem 12. Jahrhundert ließen sich die Templer im Ort und der Umgebung nieder und machten aus La Couvertoirade eine befestigte Kommendatarabtei ihres Ordens. Um die Burg herum entwickelte sich unter dem Templerorden ein Zentrum der Landwirtschaft und der Viehzucht (Pferde und Schafe). Als der Templerorden 1312 aufgelöst wurde und neue Herren den Ort übernahmen zählte man im Jahre 1328 insgesamt 135 Haushalte (Feuer) mit 800 Einwohnern. Mitte des 14. Jahrhunderts verstärkte man noch einmal die Verteidigungsanlagen der Burg, da bewaffnete Räuberbanden das Gebiet des Larzac plünderten. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt litt die Gegend unter einem Bevölkerungsrückgang, der letztlich bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts anhielt. 1562 zu Beginn der Religionskriege versuchten die Hugenotten La Couvertoirade vergeblich zu besetzen. 1702 bewaffnete sich die Bevölkerung abermals und verstärkte die Einfallstore um sich erfolgreich gegen den Überfall der Kamisarden zu wehren. 1768 wurde La Couvertoirade zur unabhängigen Kommandantur durch den Chevalier Riquetti, Baron (frz. Compte) von Mirabeau, erhoben.

Heute haben sich in den gut erhaltenen Häusern Künstler und Verkäufer von Naturprodukten wie Honig, Öl, Marmeladen und ähnlichem niedergelassen. Leider hatten wir Pech – entweder war noch keine Saison, oder wir waren schlicht zu früh (9:30) vor Ort, so dass alles geschlossen war und wir abgesehen von zwei Bauarbeitern die einzigen Menschen in dem ganzen Städtchen waren. Übrigens kaum zu glauben, dass fast 800 Menschen dort gelebt haben sollen!

Etwas enttäuscht machten wir uns wieder auf den Weg, immer noch gen Süden nach Montpellier. Zum Glück spielte das Wetter mit, und in strahlendem Sonnenschein rollten wir schließlich an den Ortsschildern vorbei. Damit hörte das Glück aber auch schon wieder auf. Wer jemals nach Montpellier fahren möchte sollte das nicht ohne Navi tun – oder am besten gleich per Bahn – auf unserem Bildschirm gab es irgendwie nur kreuz und quer und verwinkelt verlaufende Einbahnstraßen, gepaart mit unzähligen Baustellen, die es einem schlicht unmöglich machten, dem Schild Richung “Centre” zu folgen. Nervenaufreibender Kontakt mit einheimischen Autofahrern und Fußgängern, die sich überhaupt nicht um rote oder grüne Ampeln scherten, machten die Angelegenheit gleich noch spannender. Schließlich, kurz vor dem Entschluss, Montpellier einfach hinter uns zu lassen, fanden wir ein sehr gut organisiertes Parkhaus mitten im Stadtzentrum (das erste hatten wir rückwärts wieder verlassen müssen, da wir mit unserer Dachbox zwar unter 1,90 m hohen Kontrollstangen durchkamen, jedoch nicht mehr unter den 1,80 hohen. Die freundliche Autofahrerin war seeehr begeistert und erst nach mehrmals wiederholten Handzeichen zum Ausweichen zu bewegen – ich meine, die hat doch auch Augen im Kopf und sieht, dass unsere Dachbox an der dusseligen Kontrollstange hängenbleibt?!). Jedenfalls konnten wir uns endlich das Stadtzentrum ansehen und das ganze auch gleich mit einem kleinen Imbiss und einem leckeren Häagen Dasz-Eis verbinden. So richtig überzeugt hat uns die Stadt aber dennoch nicht. Die alten Häuser waren zwar nett anzusehen, aber dann doch irgendwie nicht herausragend. Hm. Hätten wir übrigens gewusst, dass das Meer nur 10km entfernt war, wären wir bestimmt noch an die Küste gefahren. So haben wir uns eben nach einem kleinen Stadtbummel wieder ins Auto geschwungen und uns den örtlichen Gefahren ausgesetzt, die wir erst nach mehrmaligen Richtungswechseln dank der immr noch vorhandenen Baustellen und mit Schweißperlen auf der Stirn hinter uns lassen konnten. Etwas entspannter ging es wieder Richtung Norden mit dem Ziel “Roquefort”. In dem Käseörtchen haben wir uns spontan zu einer Führung durch die Käsehöhlen entschlossen und uns in der einstündigen Tour ausführlich über die Herstellung und Lagerung dieses edlen Käses informiert. Im Anschluss gab es eine kleine Dégustation der drei Roquefortsorten sowie die Möglichkeit, Geschenkboxen mit je einem kleinen Stück jeder Sorte “zum Vorzugspreis” von 15,25 € zu kaufen. Im Supermarkt in Millau war der Käse übrigens billiger… aber dafür ist unser Mitbringsel auch wirklich echt aus den Roqueforthöhlen.

Ziemlich geschafft und voller neuer Eindrücke, vor allem von den Bergen entlang der Autobahn, kamen wir schließlich wieder “nach Hause”, wo wir uns nach dem Essen bei einer lustigen Runde “Rippeltippel” wiederfanden und die Nacht zum Tage machten.

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