Anfang Maerz kamen wir nach Katherine. Eigentlich wollten wir ja nur schnell durchreisen. In Darwin war es so unertraeglich heiss und schwuel, dass wir nur kurz tanken und unsere Lebensmittelvorraete auffrischen wollten, um anschliessend auf der Flucht nach Osten so viele Kilometer wie moeglich zwischen uns und dieses unwirtliche Klima zu bringen. Und dann war da die Frau im Woolworth, eine Angestellte, die uns fragte, ob wir Arbeit suchen. Gegen eine kleine Aufbesserung unseres Budgets hatten wir natuerlich nichts einzuwenden und haben uns kurzerhand bei der Firma Seven Fields vorgestellt – und prompt eine Zusage erhalten. Damit begann unsere Zeit als Fliessbandarbeiter im Packingshed, wo wir unter der Fuchtel von Empress Heather und Emperor Tom etwa drei Wochen lang Zitronen und Grapefruits nach Qualitaet sortiert und in Kartons verpackt haben, um anschliessend bis Anfang Mai auf der Farm als Fruitpicker und spaeter als allgemeine Farmhand mitzuwirken… gefangen in Katherine, mitten im Nirgendwo.
Auch fuer australische Verhaeltnisse ist Katherine eigentlich nur ein groesserer Ort, aber die Tatsache, dass es dort eine Ampel gibt, erhebt sie quasi in den Stand einer Stadt. In und um Katherine leben angeblich 11.000 Menschen, was wir gar nicht glauben konnten. Wir haetten 3.000 geschaetzt, da der Ort eigentlich nur aus 3 Strassen besteht. Immerhin gibt es 2 Krankenhaeuser, 2 Supermaerkte, 2 Tankstellen, 2-3 Pubs, etwa 5 Autohaeuser und ein Schwimmbad sowie ein paar Souvenirgeschaefte, die von den durchfahrenden Greyhoundbussen und Campern leben. Katherine liegt etwa 310 km suedlich von Darwin und bildet mehr oder weniger einen Knotenpunkt auf dem Weg von Sued- nach Nord- und Ost- nach Westaustralien. Die Tankstellen und Supermaerkte sind daher fuer jeden Durchreisenden eine sehr willkommene Moeglichkeit, die Vorraete aufzustocken, nur um dann schnellstmoeglich wieder auf die Strasse zu fluechten.
Neben unserer Arbeit als Packsklaven im Shed haben Robert und ich abends und am Wochenende zusaetzlich in einer Bar gearbeitet, um 1. der Langeweile zu entrinnen und 2. noch etwas mehr Geld zu verdienen, da die Arbeit im Shed sehr unregelmaessig war und manchmal nur 9 Stunden pro Woche betrug. In der Bar hatten wir die Gelegenheit, neben Backpackern auch mit waschechten Australiern ins Gespraech zu kommen und herauszufinden, was sie eigentlich nach Katherine treibt. Das interessante (wenig ueberraschend) war, dass eigentlich kaum jemand gern dort lebt, weil es dort nichts wirklich spannendes gibt. So gut wie jeder, den wir gefragt haben, war nur zum Arbeiten dort und wollte so schnell wie moeglich wieder weg. Genauso wie wir.
Zwei natuerliche Attraktionen hat Katherine aber doch zu bieten: Zum einen die Hot Springs, natuerliche Heisswasserquellen (die aber nur knapp lauwarm waren), und die Katherine Gorge, eine Schlucht 30 km ausserhalb der Stadt, wo sich der Katherine River in Jahrtausenden einen Weg durch die Felsen gegraben hat. Nach Ende unserer Arbeit auf der Farm haben wir die Gelegenheit genutzt und uns die Gorge endlich angeschaut. Natuerlich war uns “unser” Wettergott wieder einmal treu – vom ersten bis zum letzten Tag auf dem Feld hatten wir gluehende Sonne und Temperaturen bis zu 50 Grad in der Sonne. Kaum hoeren wir auf zu arbeiten, scheint auch der Sonnengott in Urlaub zu gehen – naechtliche Temperaturen um die 10 Grad und grauer Himmel mit vereinzelten Schauern. Vielen Dank auch!!! Die Gorge war also leider kein ganz so atemberaubendes Erlebnis, wie es vielleicht mit Sonnenschein der Fall gewesen waere.
![DSC_0178 [800x600] DSC_0178 [800x600]](http://velgerin.files.wordpress.com/2009/05/dsc_0178-800x600.jpg?w=300&h=199)
![DSC_0183 [800x600] DSC_0183 [800x600]](http://velgerin.files.wordpress.com/2009/05/dsc_0183-800x600.jpg?w=500&h=332)
![DSC_0213 [800x600] DSC_0213 [800x600]](http://velgerin.files.wordpress.com/2009/05/dsc_0213-800x6001.jpg?w=500&h=332)
Trotzdem haben wir es genossen, wieder so etwas wie Urlaub zu haben. So wirklich vermissen werden wir Katherine also nicht, allerdings werden wir gerne an all die Menschen zurueckdenken, die wir hier kennengelernt haben – sei es Mitarbeiter in der Bar, im Shed oder auf der Farm, Gaeste in der Bar, den Internetcafebetreiber (der uns mit 75% Nachlass wochenlang einen einmaligen Sonderpreis gestattet hat) oder die Angestellten im Geschaeft fuer Autozubehoer und -ersatzteile, denen wir bestimmt ganz schoen auf die Nerven gegangen sind.