Mit dem Arbeitsplatzwechsel Packing Shed – Grapefruitfeld hatten wir ja (wie berichtet) auch das Glueck, unseren Standort von einem ziemlich lausigen privaten Campingplatz zu verbessern und auf die Farm umzusiedeln. Unser Einzug dort begann mit einem grossen Knall: als wir am Abend zur Farm fuhren, durchfuhr uns ein ziemlicher Schrecken. Schon kilometerweit war ein grosses Feuer zu sehen, was auch beim Naeherkommen erschreckend genau in der Richtung der Farm lag. Je naeher wir kamen, desto mehr fuerchteten wir, das Guesthouse oder das Farmgebaeude wuerde in Flammen stehen! Erst auf den letzten Metern wurde klar, dass die ueber 10 m hohen Flammen zum Glueck kein Gebaeude betrafen. Etwa 100 m hinter dem Guesthouse brannte ein riesiger Haufen alter Baeume und anderer Gruenabfall der Farm. Wuetendes Geschrei von unserem Supervisor Jeff und dem Farmbetreiber David hallte zu uns herueber, und nach ein paar Minuten wussten wir Bescheid: Einer der anderen Backpacker hatte gefragt, ob er ein kleines Lagerfeuer machen duerfte und hatte die Erlaubnis erhalten. Warum auch immer, irgendwie hat er es geschafft, einen mehr als hausgrossen Haufen Gruenabfall in Brand zu setzen. Das Problem an der Sache war, dass Farmabfaelle ausschliesslich mit Genehmigung abgebrannt werden durften (und das auch nur zu bestimmten Jahreszeiten), da es schlicht viel zu trocken war und die Gefahr von Buschbraenden drohte. Eine Missachtung der Genehmigungspflicht koennte die Farm 100.000 $ kosten, wenn das Feuer angezeigt wuerde. Fuer den Backpacker hiess es noch in der gleichen Nacht “Auf Nimmerwiedersehen” – und wir erhielten am naechsten Tag das Angebot, vom kostenlosen Camping eine Stufe aufzusteigen und kostenlos in ein Zimmer mit Aircondition im Guesthouse umzuziehen, was wir natuerlich sehr gerne angenommen haben.
Quasi als Dreingabe hatten wir jetzt jeden Abend viel Gesellschaft: ein franzoesisches Backpackerpaerchen, ein deutsches Backpackerpaerchen, 5 weitere franzoesische Backpacker, ein Englaender und natuerlich unser Supervisor Jeff, der einzige Australier unter uns. Es war eine sehr schoene und abwechslungsreiche Zeit, aber manchmal auch sehr anstrengend, da 13 Leute einfach auch mehr Dreck und Laerm machen.
Ein besonders schoener Abend war der Geburtstag von Carol, einer Franzoesin. Wir sind alle zusammen Essen gegangen, allerdings nicht in ein gewoehnliches Restaurant, sondern zu einem “Buschessen” am Lagerfeuer und mit typisch australischen Gerichten aus der Zeit der ersten Siedler: selbstgebackenes Brot, Rinderwurstchen, Kaenguruhgulasch, Barramundi (Fisch), dazu Buschtomaten, Kuerbis und Kartoffeln. Zu trinken gab es “Buschlimonade” – Ananassaft mit Zitrone, wilder Minze und Wasser. Sogar eine Nachspeise hatte unser “Bushtucker” vorbereitet: Bananenkuchen. Zum Abschluss gab es schliesslich noch Billy-Tee, eine Art Schwarztee mit Blaettern vom White Gum Tree, der in einer Blechkanne gekocht und dann dreimal geschleudert wird, damit die Blaetter auf den Boden sinken.
Insgesamt konnten wir etwa 4 Wochen auf der Farm wohnen. Besonders gut fuer uns war, dass wir die Werkzeuge benutzen durften und unsere Zicke nochmal so richtig auf Vordermann gebracht haben. Der Rost hatte einige Loecher in unsere Kleine gefressen, die wir mit Hilfe von Glasfaser und jeder Menge Spachtel fachmaennisch/fachfrauisch beseitigt haben. Allerdings musste sie danach komplett (!) neu gestrichen werden. Dafuer glaenzt die Zicke jetzt aber auch wieder richtig schoen!
Mit Ende der Arbeit war natuerlich auch unsere freie Unterkunft beendet, und fuer uns hiess es “endlich wieder ab auf die Strasse”.