19.12. – 30.12. Unsere lange Reise nach Sueden

 

Am 19. Dezember haben wir Bribie Island und damit auch Gerhard und Gina fuer vorerst lange Zeit verlassen und uns gemuetlich auf den Weg Richtung Sueden gemacht. Wir wollten die knapp 800 km in Ruhe hinter uns bringen und jeden Tag woanders einen Stopp einlegen, um so viel wie moeglich von der herrlichen Landschaft zwischen Brisbane und Sydney mitzubekommen.

1. Stopp: Coolangatta/Kingskliff
Wir hatten in der Naehe von Kingskliff einen See ausgemacht, der mal wieder Ziel unserer Angelversuche werden sollte. Direkt am See hatten wir einen wunderschoenen und ruhigen Rastplatz gefunden, und es dauerte auch nicht lange, da schauten schon die Anwohner vorbei, wer sich denn in diese Ecke verirrt hatte. Peter und sein etwa 7jaehriger Enkel haben uns allerlei Tipps zum Angeln gegeben und uns herzlich eingeladen, die Nacht bei Ihnen vor dem Haus zu verbringen, falls es uns unheimlich werden sollte. Zum Glueck blieb alles ruhig – aber wir waren wieder einmal platt von dem offenen Entgegenkommen und dem freundlichen Angebot. Es sind also nicht alle Menschen schlecht. :-) Die Angelversuche blieben leider nach wie vor erfolglos, dafuer haben wir uns aber wieder einen leckeren Linseneintopf gekocht. Fisch gibt es also ein andermal!

2. Stopp: Byron Bay und Ballina
Am 21.12. kamen wir in Byron Bay an, puenktlich zum vorweihnachtlichen Markt. Das konnten wir uns natuerlich nicht entgehen lassen! Es dauerte zwar ein bisschen, bis wir einen Parkplatz ergattert hatten, aber dann hielt uns nichts zurueck und wir haben uns mitten ins Getuemmel geworfen. Nach der ersten Runde ueber den Markt mussten wir ein bisschen in uns hineinlaecheln – der Markt war seeeeeehr alternativ und anscheinend ein Sammelplatz fuer alte und junge Hippies. Entsprechend bunt, abgefahren und etwas wirr war auch das Angebot auf dem Markt. Sehr viel Kunst, bunte Kleidung, Schmuck und Handleserei. Nicht ganz unser Ziel, aber trotzdem sehenswert.

garantiert handgefilzt!

garantiert handgefilzt!

bunt, bunter, abgefahren!

bunt, bunter, abgefahren!

Nach unserem Ausflug auf den Markt haben wir uns noch die eigentliche Stadt Byron Bay angesehen, die als Surferstadt sehr bekannt ist. Das war auch auf den Strassen zu spueren, denn ueberall gab es neue und gebrauchte Surfboarde, Surfschulen, Boardverleihe… leider jenseits unserer Preisvorstellungen, ausserdem wussten wir nicht so recht, wo wir auch noch Surfboarde unterbringen sollten. Mal in Ruhe drueber nachdenken. Der Strand war auch sehr schoen, aber da wir an diesem Tag noch weiterkommen wollten haben wir uns auf“s Hinunterschauen beschraenkt.  

Traumstrand

Traumstrand

Weiter ging es nach Ballina, einem Oertchen mit Fluss, den wir uns als erneutes Beutegebiet ausgeschaut hatten. Aber irgendwas machen wir wohl immer noch falsch – sei es Haehnchen, Brot, Wurm oder Fleisch, die Fische beissen nicht…. Naja, noch geben wir die Hoffnung nicht auf, dass demnaechst mal Fisch auf der Speisekarte steht. Da die Wassertiere also nicht wollten, haben wir uns von der Kueste verabschiedet und uns auf den Weg ins Hinterland gemacht. Durch wunderschoene gruene Huegel ging es nach Westen Richtung Tenterfield, das Startpunkt fuer Ausfluege in verschiedene Nationalparks sein sollte.

Ohne Worte...

Ohne Worte...

In Tenterfield hatten wir Glueck – im Rotary Park gab es ein oeffentliches WC mit einem separaten Babyraum, der warmes Wasser hatte. Zwar gab es keine Duschen, aber wir sind ja inzwischen sehr genuegsam und duschen dann eben mit Eimer und Becher. Warme Dusche, was fuer ein Luxus! Frisch und halbwegs munter ging es dann im Dunkeln noch auf die Suche nach einem Stellplatz. Auch hier hatten wir Glueck und haben einen Rastplatz gefunden, auf dem ausser uns noch 4 andere Camper standen. Sehr schoen! Allerdings war es kkkkkalt! Wir hatten die Hoehe von knapp 1400 m deutlich unterschaetzt und waren mehr als froh, meinen Schlafsack auspacken und zusaetzlich zu den 2 Laken als Decke nehmen zu koennen. Uebrigens: der naechste McDonald war laut Wegweiser 138 km entfernt…

3. Stopp: Bald Rock National Park und Boonoo Boonoo Nationalpark
Der 22.12. stand ganz im Zeichen der Nationalparks rund um Tenterfield. Zunaechst haben wir den Bald Rock Nationalpark unsicher gemacht und den „Bald Rock“ erklommen. Zu Fusse des Berges gab es zwei Moeglichkeiten: 2,4 km „Umweg“ oder 1,2 km „steil“. Wir haben natuerlich die kurze Variante genommen…von unten sah es ja auch ganz harmlos aus!

klar nehmen wir den direkten Weg...

klar nehmen wir den direkten Weg...

steil? was ist das?

steil? was ist das?

eiskalt abgehaengt!

eiskalt abgehaengt!

 
 
Naja, was soll ich sagen, meine Kondition wurde mal wieder ganz schoen beansprucht. Bin halt keine Bergziege… Die unglaubliche Aussicht ueber fast 100 km und die unglaubliche Stille haben fuer alles entschaedigt. Jedem nur zu empfehlen!
einfach nur unfassbar schoen!

einfach nur unfassbar schoen!

 
Beim Abstieg haben wir uns gegen den direkten Weg entschieden und haben so noch den Wald zu Fusse des Bald Rocks unter die Lupe genommen, bis wir heil wieder bei unserer Zicke angekommen waren und uns auf den Weg zum naechsten Park gemacht haben. Der Boonoo Boonoo Nationalpark ist fuer seinen Wasserfall und die ueber dem Fall liegenden Swimmingholes bekannt. Wir hatten diese als Ziel ausgewaehlt, um uns die Suche nach einer Dusche zu sparen. :-) Gewusst wie! Zum Wasserfall braucht man nicht viel sagen – die Duerre in den letzten Jahren hat ihn zu einem wenig spektakulaeren Geplaetscher schrumpfen lassen. Dafuer waren die Swimmingholes gut zu gebrauchen, wenn auch wirklich kalt.
eine grosse Badewanne

eine grosse Badewanne

 Wieder einmal frisch ging es weiter. Es war ja noch nicht ganz dunkel und wir noch nicht muede, also Kilometer bewaeltigen. Ziel: Armidale. Allerdings war die Strecke deutlich befahrener als unser „Schleichweg“ (mit 30 km/h durch die Berge) nach Tenterfield, und neben Kamikaze-Truckern haben uns kiloweise Fliegen an der Scheibe die Fahrt ganz schoen erschwert. Zum Glueck keine Kaenguruhs in Sicht, und der Sonnenuntergang hat immerhin kurz entschaedigt.

Der Himmel brennt

Der Himmel brennt

4. Stopp: Armidale (23.12.)
In Armidale haben wir einen Einkaufsstopp eingelegt und unsere etwas geschrumpften Vorraete wieder aufgestockt. Ausserdem haben wir noch ein bisschen Werkzeug gekauft, fuer den Fall, dass die Zicke mal richtig zickt. Im Baumarkt haben wir dann noch ein Brett, Scharniere und Schrauben geholt, und Robert hat quasi im Vorbeigehen noch schnell eine Ablage am Kuechenschrank gezimmert. Danke!!!

Fuer den kulturellen Anteil haben wir die Waterfall Road genutzt und Abstecher zu zwei weiteren Wasserfaellen gemacht – naja, schaut selbst. Die Duerre hat wirklich alles plattgemacht.

so sollte es aussehen

so sollte es aussehen

traurige Wirklichkeit

traurige Wirklichkeit

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Am zweiten Wasserfall hatten wir etwas mehr Glueck – zwar war der Fall selbst wieder wenig sehenswert, aaaaber: oberhalb des Wasserfalls konnte man die Forellen sehen, die wie die Weltmeister nach Muecken geschnappt haben. Also flugs ins Gebuesch geschlagen, die Angel ins Wasser getaucht und zwei Stunden erfolglos Huehnchen gebadet und dabei frustriert zugesehen, wie die Biester direkt neben dem Koeder nach Fliegen schnappen… falscher Koeder, schaetze ich… Wir haben abermals entnervt aufgegeben und die Reste vom Huehnchen selbst gegessen. Dann ging es weiter, in atemberaubenden Kurven von dem Hochplateau (1400m) hinunter bis fast auf Meereshoehe. Eigentlich wollten wir bis zur Kueste fahren, aber unser leerer Tank hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, da nachts wirklich alle Tankstellen geschlossen waren. Anscheinend gehen die Australier wirklich direkt mit der Sonne ins Bett, nach Sonnenuntergang ist eigentlich alles ausgestorben, es sei denn, man verirrt sich noch in einen Woolworth, der bis 22 Uhr geoeffnet hat. Nun ja, notgedrungen haben wir in einer Seitenstrasse neben einer Tankstelle unser Nachtlager aufgeschlagen. Wie wir dachten eine gute Wahl – 50 Zone, ueberall Wohnhaeuser… und leider scheinbar eine Durchfahrtstrasse, an der sich niemand an die 50 gehalten hat. Rasende Busse und Lkw haben unsere Zicke die ganze Nacht zum Beben gebracht uns am Schlafen gehindert, und puenktlich um 7;00 standen wir an der Tankstelle, damit wir wegkommen.
 
5. Stopp: Weihnachten in Wingham
Da das Wetter nur mittelmaessig war, haben wir nach einem kurzen Pflichtstopp (Weihnachten am Meer) die Kueste wieder hinter uns gelassen und sind nach Wingham am Manning River aufgebrochen. Hier haben wir einen gemuetlichen Rastplatz direkt am Fluss gefunden und – wie gewohnt erfolglos – den Fischen beim Nichtanbeissen zugeschaut. Trotzdem gab es noch eine unerwartete Ueberraschung: in den angrenzenden Baeumen hausen Hunderttausende Flying Foxes, Riesenfledermaeuse, die bei Anbruch der Daemmerung ausschwaermen und in den Waeldern in der Naehe nach Insekten suchen. Der Anblick war noch viel gigantischer als beim Besuch der Bat Cave in Thailand, da die Fledermaeuse viiiiiel groesser waren und zudem schon im Hellen losgeflogen sind, waehrend die Fledermaeuschen in Thailand anscheinend lichtscheu waren. Der Schwarm zog sich wie ein Fluss am Himmel ueber Kilometer hin!
 
Ein Fluss am Himmel

Ein Fluss am Himmel

Wunschessen Truthahnbraten
Hinten: Wunschessen Truthahnbraten

Zum Abendessen gesellten sich dann noch ein Farmer aus der Gegend und ein Neuseelaender zu uns und haben uns bei einem Bierchen mit unzaehligen Tipps und Warnhinweisen versorgt. Wieder einmal sehr hilfreich!

6. Stopp: Glocester
Unser Cowboy von gestern abend hatte uns den Nationalpark bei Glocester ans Herz gelegt, also haben wir uns auf die Socken gemacht. Fruehstueck gab es auf einem Hochplateau mit Blick auf die Stadt und die herrlichen Berge – und mit Eierkuchen!

Frohe Weihnachten!

Frohe Weihnachten!

Frisch gestaerkt und motiviert haben wir uns dann auf den Weg „in die City“ gemacht, auf zum allgegenwaertigen Informationscenter – das leider geschlossen war. Hm, also doch auf eigene Faust los. Dummerweise hatte unser Navi den Geist aufgegeben, so dass wir mal wieder auf herkoemmliche Art den Wegweisern folgen mussten. Nach etwa 40 km Schotterpiste, 5 oder 6 Furten und der Bewaeltigung von zahllosen Bergen waren wir am Ziel: die Camping Area im Glocester Tops National Park, ein herrlich ruhiges Fleckchen Erde mitten in den Bergen, umgeben von Waeldern und Fluessen und besiedelt von Einsamkeit suchenden Campern und hochgiften braunen Schlangen…

kostenlose Unterbodenwaesche

kostenlose Unterbodenwaesche

unsere Nachbarn...

unsere Nachbarn...

... und eine "Einheimische"

... und eine "Einheimische"

Die Stille, die tagsueber ueber unserem Campingplaetzchen lag, wich mit Einbruch der Dunkelheit einem ohrenbetaeubenden Laerm, verursacht von Millionen von Zikaden. Es hat eine Weile gedauert, dann hatte man sich an den Laerm gewoehnt. Nun waren nur noch zwei Probleme zu loesen: 1. gab es kein fliessend Wasser – also mal wieder Dusche per Eimer + Becher aus dem frostig kalten Fluss. 2. hatten wir absolut kein einheimisches Geld mehr bei uns, mussten aber noch die Uebernachtung im Park zahlen. Das passiert in den Nationalparks sozusagen per Selbstregistrierung: man fuellt einen Schein mit Angaben zur Person und mit dem Kfz-Kennzeichen aus und steckt den faelligen Betrag in einen Umschlag (und den dann wiederum in eine Art Briefkasten). Da wir weder 40 km ueber die Schotterpiste zurueckfahren, noch den Betrag schuldig bleiben wollten, haben wir unsere letzten Euros zusammengekratzt und einen netten Entschuldigungsbrief fuer die Fremdwaehrung geschrieben. Als am naechsten Morgen tatsaechlich die Park Ranger anrueckten, um die Camper zu kontrollieren, haben wir im Eiltempo alles zusammengerafft und fluchtartig die Camping Area verlassen. Uuuuh! Mal schauen, ob noch ein Knoellchen nachkommt, da wir ja trotzdem das richtige Kennzeichen angegeben hatten…

6. Stopp: Barrington Tops Nationalpark
Eigentlich wollten wir im Glocester NP ja endlich mal wandern gehen, aber durch unsere fluchtartige Abreise war uns das vergoennt. In der Naehe vom Glocester NP lag der Barrington Nationalpark, so dass wir beschlossen haben, nicht wieder zurueck zur Strasse zu fahren, sondern den Wegweisern zum naechsten Park zu folgen und dort unser Glueck zu versuchen. Das hiess, „mal eben“ 90 km unbefestigte Strassen und steile Berge hinauf bewaeltigen. Unser Grundvertrauen in die Zicke wurde nicht enttaeuscht, wir haben alles geschafft! Die Aussicht war einfach toll, als es auf knapp 1500 m hinaufging! Da es aufgrund der Strassenverhaeltnisse aber nur mit knapp 20 km/h voranging, haben wir das Wandern wieder einmal sein gelassen und uns auf zwei Stopps an Aussichtspunkten beschraenkt, um den Nationalpark noch bei Tageslicht verlassen zu koennen. Nur einen kurzen Notstopp mussten wir bei der Abfahrt einlegen, als die Bremsen irgendwann angefangen haben, bestialisch zu stinken.

Thunderbolt Lookout

Thunderbolt Lookout

und Devil's Hole Viewpoint

und Devil's Hole Viewpoint

 Unser naechstes Ziel, Newcastle am Pazifik, haben wir abends noch erreicht.

7. Stopp: Newcastle (28./29.12.)
Infocenter, Internet und Einkaufszentrum. Wichtigstes Utensil: ein neues Navi muss her, man ist ja sooo verloren! Zum Glueck haben wir das Shoppingcenter auch ohne elektronischen Wegweiser gefunden, dort im unfassbaren Getuemmel nach Weihnachten nur schnell ein paar Lebensmittel eingeladen, ein neues Navi ergattert, das alte zurueckgegeben und dann der Stadt den Ruecken zugekehrt. Im Reisefuehrer hiess es, Newcastle habe sich von der ehemaligen Kohleminestadt zu einer modernen Metropole gemausert – naja, besonders schoen war die Stadt nicht, und es gab nicht viel, was uns interessiert hat. Unsere Alternative: Nelson Bay mit wunderschoenen Straenden und Buchten. Eine Erholung nach den kalten Tagen in den Bergen! Das Wetter hat auch mitgespielt, und wir haben zwei erholsame Tage am Meer verbracht. Dummerweise hat sich das eine dumme Sandkorn, was ich seit unserer Kamelsafari in Indien in meinem Objektiv herumschleppe, genau hier entschieden, sich zu verkanten und mir das Objektiv meiner Kamera zu zerstoeren. Also keine Fotos von Nelson Bay, sehr schade… und: natuerlich muss ein neues her… leider erst in Sydney, aber hoffentlich noch rechtzeitig zu Sylvester!

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